Gedichteforum für deutschsprachige Lyrik und Gedichte
LoginLogin  RegistrierenRegistrieren  FAQFAQ  MitgliederlisteMitgliederliste  BenutzergruppenBenutzergruppen  Gedichte-Forum ÜbersichtForenübersicht
17.04.2021, 06:54

Profil Profil
 Einstellungen
 Private Nachrichten
Suchen Suche
 Beitrag, Thema, Autor
 Eigene Beiträge
 Seit letztem Besuch
 Unbeantwortete Beiträge
Suchen Letzte Themen
 Letzte Themen
 Beiträge von heute
 Beiträge seit gestern
 Beiträge letzter Woche
 Zufallsthema
Christian Morgenstern (1871 - 1914)
Neues Thema eröffnen    Neue Antwort erstellen
Gedichteforum -> Bekannte Gedichte
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #1 vom 30.07.2007, 10:04  Titel: Christian Morgenstern (1871 - 1914)  

Zentrieren
Das Nasobem

Auf seinen Nasen schreitet
einher das Nasobem,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.

Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum ersten Mal ans Licht.

Aus seinen Nasen schreitet
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobem.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #2 vom 30.07.2007, 10:04  Titel: Die Brille  

Zentrieren
Die Brille

Korf liest gerne schnell und viel;
darum widert ihn das Spiel
all des zwölfmal unerbetnen
Ausgewalzten, Breitgetretnen.

Meistens ist in sechs bis acht
Wörtern vollig abgemacht,
und in ebensoviel Sätzen
läßt sich Bandwurmweisheit schwätzen.

Es erfindet drum sein Geist
etwas, was ihn dem entreißt:
Brillen deren Energieen
ihm den Text - zusammenziehen!

Beispielsweise dies Gedicht
läse, so bebrillt, man - nicht!
Dreiunddreißig seinesgleichen
gäben erst - Ein -- Fragezeichen!!
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #3 vom 30.07.2007, 10:04  Titel: Möwenlied  

Zentrieren
Möwenlied

Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
ich laß sie lieber leben -
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #4 vom 30.07.2007, 10:05  Titel: Das Böhmische Dorf  

Zentrieren
Das Böhmische Dorf

Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,
in ein sogenanntes böhmisches Dorf.

Unverständlich bleibt ihm alles dort,
von dem ersten bis zum letzten Wort.

Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen
ihn begleitet) ist um Rat verlegen.

Doch just dieses macht ihn blaß vor Glück.
Tief entzückt kehrt unser Freund zurück.

Und er schreibt in seine Wochenchronik:
Wieder ein Erlebnis, voll von Honig.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #5 vom 30.07.2007, 10:05  Titel: Schiff "Erde"  

Zentrieren
Schiff "Erde"

"Ich will den Kapitän sehn", schrie
die Frau, "den Kapitän, verstehn Sie?" -
"Das ist unmöglich", hieß es "Gehn Sie!
So gehn Sie doch! Sie sehn ihn nie!"

Das Weib, mit rasender Gebärde:
"So bringen Sie ihm das - und das -."
(Sie spie die ganze Reling naß.)
Das Schiff, auf dem sie fuhr, hieß "Erde".
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #6 vom 30.07.2007, 10:05  Titel: Der Gaul  

Zentrieren
Der Gaul

Es läutet beim Professor Stein.
Die Köchin rupft die Hühner.
Die Minna geht: Wer kann das sein? -
Ein Gaul steht vor der Türe.

Die Minna wirft die Türe zu.
Die Köchin kommt: Was gibts denn?
Das Fräulein kommt im Morgenschuh.
Es kommt die ganze Familie.

"Ich bin, verzeihn Sie", spricht der Gaul,
"der Gaul vom Tischler Bartels.
Ich brachte ihnen dazumaul
die Tür- und Fensterrahmen!"

Die vierzehn Leute samt dem Mops,
sie stehn, als ob sie träumten.
Das kleinste Kind tut einen Hops,
die andern stehn wie Bäume.

Der Gaul, da keiner ihn versteht,
schnalzt bloß mal mit der Zunge,
dann kehrt er still sich ab und geht
die Treppe wieder hinunter.

Die dreizehn schaun auf ihren Herrn,
ob er nicht sprechen möchte.
"Das war", spricht der Professor Stein
"ein unerhörtes Erlebnis!" ...
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 224
BeitragBeitrag #7 vom 05.09.2007, 14:25  Titel:   

Zentrieren
DER FLÜGELFLAGEL

Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
der rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Golz.

_________________
http://www.ironirene.com/lyrische_selbstversuchung.html
Benutzer-Profile anzeigen Offline Website dieses Benutzers besuchen Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #8 vom 30.11.2007, 03:11  Titel:   

Zentrieren
Das Knie

Ein Knie geht einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts!
Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt!
Es ist ein Knie, sonst nichts.

Im Kriege ward einmal ein Mann
erschossen um und um.
Das Knie allein blieb unverletzt -
als wärs ein Heiligtum.

Seitdem gehts einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts.
Es ist kein Baum, es ist kein Zelt.
Es ist ein Knie, sonst nichts.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #9 vom 30.11.2007, 03:12  Titel:   

Zentrieren
Das ästhetische Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.

Wißt ihr,
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:

Das raffinier-
te Tier
tats um des Reimes willen.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #10 vom 07.09.2010, 15:16  Titel:   

Zentrieren
Schauder

Jetzt bist du da, dann bist du dort.
Jetzt bist du nah, dann bist du fort.
Kannst du's fassen? Und über eine Zeit
gehen wir beide die Ewigkeit
dahin - dorthin. Und was blieb?...
Komm, schließ die Augen, und hab mich lieb!
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #11 vom 24.03.2018, 16:40  Titel: Der Werwolf  

Zentrieren
Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:

"Der Werwolf" - sprach der gute Mann,
"des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt,
den Wenwolf, - damit hat's ein End."

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!

Der Dorfschulmeister aber mußte
gestehn, daß er von ihr nichts wußte.
Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
doch "Wer" gäb's nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1203
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #12 vom 04.03.2021, 20:30  Titel: Der Seufzer  

Zentrieren
DER SEUFZER

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.

Der Seufzer dacht' an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm -
und er sank - und ward nimmer gesehen.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
Nestor Carigno

Anmeldedatum: 03.10.2009
Beiträge: 959
BeitragBeitrag #13 vom 06.03.2021, 22:46  Titel: Der Morgen  

Zentrieren
Der Morgen

Der Morgen ward mit Willenskraft
zum Tag erhoben sacht.
Was so ein Sonnenkörper schafft,
schon lange in mir lacht.

Die Venus blinkt und blinzelt
dem Grauen gegenüber
und überlässt der Welt den Tag
zur Dämmerung hinüber.

So treffen sie sich zweimal
beim Dämmern und bei Tau
als wie der große Wagen rollt
vom Himmel schwarz ins Blau.

_________________
Heute geh ich. Komm ich wieder,
Singen wir ganz andre Lieder.
Wo so viel sich hoffen läßt,
Ist der Abschied ja ein Fest.
(J.W.v.Goethe)
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Gedichteforum -> Bekannte Gedichte Seite 1 von 1
Neues Thema eröffnen    Neue Antwort erstellen

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


© 2018 Gedichteforum.at | Impressum | Datenschutzerklärung

Diese Seite verwendet Cookies. Für eine uneingeschränkte Nutzung der Webseite werden Cookies benötigt.
Nähere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen. OK

Aquaristik-Zentrum Innsbruck | Aquarium-Kosmos