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Laotse
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Gedichteforum -> Begegnungen
Anaximandala

Anmeldedatum: 27.02.2022
Beiträge: 101
BeitragBeitrag #1 vom 25.04.2022, 03:42  Titel: Laotse  

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Warnung vor der Stärke (76/81)


Der Mensch, wenn er geboren wird,
Ist weich und schwach, voll Biegsamkeit,
Ist fest und stark, wenn er mal stirbt,
Wo Stärke, ist der Tod nicht weit.

Wenn Pflanzen wachsen und entstehn,
Sind sie ganz saftig und ganz weich,
Sind dürr und hart, wenn sie vergehn,
So ist der Lauf im Erdenreich.

Denn es ist so, was fest und stark,
Das gehört schon dem Tode an,
Das Leben andrerseits vermag,
Dass Schwaches stärker werden kann.

"Mit starken Waffen siegt man nicht",
Sagt man deshalb, vom Sinn gesehn,
So wie manch starker Baum zerbricht,
Lässt man ihn nicht auf Stützen stehn.

Ganz unten steht, was stark und groß,
Weil es das Schwache tragen kann,
So wie, als es selbst schwach war bloß,
Das Starke es mit ihm begann.

So schließt sich nun des Wandels Kreis,
Der ewig wandelnd weiterdreht,
Die Stärke kostet stets den Preis,
Dass man mit ihr zu Grunde geht.
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Anaximandala

Anmeldedatum: 27.02.2022
Beiträge: 101
BeitragBeitrag #2 vom 13.05.2022, 09:43  Titel:   

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Unterschiede des Wesens (33/81)

Wer gut das Herz der Menschen kennt,
Der ist als sehr klug anzusehn,
Doch wer für Selbsterkenntnis brennt,
Wird geistig bei den Weisen stehn.

Wer einen anderen besiegt,
Dem schreibt man zu, er habe Kraft,
Doch wer sich selbst bezwingt, der sieht,
Er hat zur Stärke es geschafft.

Wer gegen andre sich durchsetzt,
Der wird vom Willen klar gelenkt,
Doch wer Genügsamkeit hochschätzt,
Der wird vom Himmel reich beschenkt.

Wer, wo er ist, ganz sicher steht,
Der wird als dauerhaft erlebt,
Doch wer im Tod nicht untergeht,
Ists, den das Leben hoch erhebt.

---

Verfall der Sitte (18/81)

Verlassen ward der große Sinn,
So gab es Sittlichkeit und Pflicht,
Zur Klugheit führten sie uns hin,
Die nur zu oft mit Lügen spricht.

Und uneins wurd, was blutsverwandt,
Es kam Liebe und Kindspflicht auf,
Die Ordnung in den Staaten schwand,
Und treue Diener gabs zuhauf.
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Anaximandala

Anmeldedatum: 27.02.2022
Beiträge: 101
BeitragBeitrag #3 vom 13.05.2022, 09:44  Titel:   

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Abseits der Menge (20/81)

Ganz strahlend scheint der Mensch zu sein,
wie Feiern, Feste, sein Wandeln,
nur ich bin unschlüssig allein,
noch ohne Zeichen mein Handeln.

Ein Kind, das noch nicht lachen kann,
bin heimatlos geboren,
ich bin ein müder Wandersmann,
im Herzen wie die Toren.

Die Menge scheint im Überfluss,
alleine bin verlassen ich,
das Chaos gibt mir stets nen Kuss,
ach Chaos, kann nicht fassen dich.

Die Menschen scheinen alle hell,
allein ich bin so trübe
in Neugier leuchten sie so grell,
in Trauer ich mich übe.

Und stürmisch, ach wie die Meere,
getrieben, einer, der nicht weilt,
mein Geiste, in großer Schwere,
ich falle ständig aus der Zeit.

Der Mensch scheint stets am Tun zu sein,
die Beschäftigung Futter,
doch ich bin anders, bin allein,
wert haltend spendend Mutter.
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Nestor Carigno

Anmeldedatum: 03.10.2009
Beiträge: 994
BeitragBeitrag #4 vom 26.05.2022, 00:32  Titel: Re: Laotse  

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Anaximandala meint dazu:
Warnung vor der Stärke (76/81)

Der Mensch, wenn er geboren wird,
Ist weich und schwach, voll Biegsamkeit,
Ist fest und stark, wenn er mal stirbt,
Wo Stärke, ist der Tod nicht weit.

...

So schließt sich nun des Wandels Kreis,
Der ewig wandelnd weiterdreht,
Die Stärke kostet stets den Preis,
Dass man mit ihr zu Grunde geht.



Wau, Ana, in Halt lichtet sich
und das Chlorophyl im Trakt
will Photonen in Zucker und
oh zwei verstofflichen -
doch die Säfte sind stärker
und jenes Grün wird braun...

Liest Du gerade ein Buch von Laotse
und verwandelst Stücke daraus in Deine Verse?
Fein ist das!

Laotse These kann ich bestätigen.
Zu viel Stärke...
Zucker, Energiedrinks, Kaffee, ...
das führt alles zu Diabetes, Verkehrsunfällen
oder Sodbrennen...

Die älteren Chines*innen, die z.B. Chi Gong oder Tai Chi machen,
haben andererseits wohl sicher auch den einen oder anderen Trick,
die Energie, die sie ansammeln, im Gleichgewicht zu halten...

Also z.B. immer wieder einen Teil der überschüssigen Energie
in +/- sinnvolle oder kreative Tätigkeiten umzuleiten...
...

Wie heißt das Buch von Laotse?
LG
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Anaximandala

Anmeldedatum: 27.02.2022
Beiträge: 101
BeitragBeitrag #5 vom 05.07.2022, 00:34  Titel:   

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Hallo Nestor, erst einmal vielen Dank für deine Kommentare

Ich lese Laotse jetzt seit ein paar Jahren immer mal wieder, oder stöbere darin herum und hab ein mit der Zeit ein paar der Sprüche die mir sehr gefallen haben in Reime gefasst. Taoteking heißt das Buch oder auch Daodejing, es stammt aus der Taoistischen Philosophie, bzw. begründet sie und gibt in Gleichnissen und Paradoxien eine Philosophie unter dem Ideal der Schwäche des Wassers dar, unveränderlich, nicht zu beschädigen aber stark genug um Täler in Felsen zu fressen.
In gewisser Weise gibt es in der Philosophie Ähnlichkeit zum Buddhismus, oder zur Mystik. Also wenn du dich für sowas interessierst kann ich es dir sehr empfehlen.

Viele Grüße :)
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Anaximandala

Anmeldedatum: 27.02.2022
Beiträge: 101
BeitragBeitrag #6 vom 05.07.2022, 00:37  Titel:   

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Selbstverleugnung (66/81)

Die Ströme und die Meere sind,
So wie der Täler Könige,
Weil ihre Kraft nach unten rinnt,
So mächtig wirken wenige.

Der Weise macht es so wie sie,
Und will er über andren stehn,
Dann geht er geistig in die Knie,
Nicht oft wird man so Größe sehn.

Und will er vor den andren sein,
So stellt er selber sich hintan,
Denn Größe, und nicht leerer Schein,
Beweist, dass man auch klein sein kann.


Erkenntnis des Leidens (71/81)

Zu wissen, dass man garichts weiß,
Im Leben, das ist hohe Kunst,
Wer sich im Nichtwissen verbeiß,
Bewegt sich in des Leidens Dunst.

Doch leidet man an seinem Leid,
Wird man von seinem Leiden frei,
So hat der Weise sich befreit,
Denn leidvoll ging sein Leid vorbei.
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Anaximandala

Anmeldedatum: 27.02.2022
Beiträge: 101
BeitragBeitrag #7 vom 05.07.2022, 00:39  Titel:   

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Die drei Schätze (67/81)

Die Welt sagt meiner Wenigkeit,
Mein “Sinn“, der sei zwar großartig,
Nur fehl ihm die Geschicklichkeit,
Er scheine einfach nicht richtig.

Doch grade deshalb ist er groß,
Weil er ja nicht geschickt erscheint,
Geschicklichkeit die führt uns bloß,
Zur Kleinlichkeit, des Sinnes Feind.

Drei Schätze trage ich in mir,
Die ich schätze und behüte,
Der erste, Liebe, eine Zier,
Denn in ihr liegt tiefe Güte.

Der zweite ist Genügsamkeit,
Die Demut ist mein dritter Schatz,
Ich halte sie zu jeder Zeit,
Auf einem hoch geehrten Platz.

Durch Liebe finden wir zu Mut,
Genügsamkeit macht weitherzig,
Und werden wir durch die Demut,
Mit Menschen umzugehn fähig.

Doch heutzutage in der Welt,
Da gibt man meine Schätze preis,
So dass, wer sich für mutig hält,
Von echter Liebe nichts mehr weiß.

Wer sich als weitherzig ansieht,
Dem fehlt es an Genügsamkeit,
Und wen es an die Spitze zieht,
Der ist die Demut sicher leid.

Das ist der Tod für alt und jung,
Weil stets im Kampf die Liebe siegt,
Stark ist ihre Verteidigung,
In ihr des Himmels Rettung liegt.
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