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Nomadenlied
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Gedichteforum -> Begegnungen
Namazu

Anmeldedatum: 05.04.2007
Beiträge: 118
BeitragBeitrag #1 vom 12.11.2017, 23:20  Titel: Nomadenlied  

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Nomadenlied

Sonnenverdorrte Sommer, karges Land
Goldene Monde, Felsen, Schakalgesang.
Fremde in der Fremde, wir wurden einander
Schwarm, um uns kurz später nur
Wieder zu zerstreuen.

Manchmal werden wir wieder Fische
Durchqueren ein, zwei Stromschnellen,
Schwimmen gemeinsam
Durch ein regnerisches Land.

Dann krabbeln wir erneut
An ein Ufer, ein jeder
Für sich.
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juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1151
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BeitragBeitrag #2 vom 13.11.2017, 22:50  Titel:   

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Also mich trifft das ins Herz, die Idee zum Gedicht ist schön und die Umsetzung gut gelungen. Man könnte sicher da oder dort noch etwas verbessern, aber prinzipiell ist der poetische Gedanke gut. Du hast Talent (beinahe hätte ich: du hasst Talent geschrieben), könntest aber an der lyrischen Präsentation (Form) arbeiten. Poesie ist ist eine Art Ursehnsucht nach Gleichklang. Jeder Mensch ist poetisch veranlagt, Poesie ist ein menschlicher Urinstinkt. Das Bedürfnis, Schönes schöner zu schildern als es war, Schreckliches schrecklicher zu benennen als es dem Einzelnen widerfahren könnte, ist zutiefst menschlich.

Dann krabbeln wir wieder
An unsere Ufer, ein jeder
Für sich
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Namazu

Anmeldedatum: 05.04.2007
Beiträge: 118
BeitragBeitrag #3 vom 13.11.2017, 23:54  Titel:   

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Danke! Wenn Dir konkret was einfällt, wie ich die holprige Form überwinden könnte, ich bin ganz offen für Vorschläge. Ich sehe mich in einer Experimentierphase, um ein Gespür dafür zu finden, wie ich mich ausdrücken kann - und mich "freizuschreiben", das Spielerische an der Sprache wiederzufinden neben all den Sachtexten, die ich schreibe, und irgendwo auch meine Kreativität. Mein Zugang ist rein intuitiv, vermutlich zu intuitiv.

Meine Übergänge und Gedankensprünge sind manchmal ziemlich holprig und mir fehlen da manchmal die Ideen. Mal wieder mehr Lyrik lesen wäre vermutlich nicht schlecht, aber zum viel Lesen in meiner Freizeit fehlt mir momentan ein wenig der Nerv.

Der letzte Absatz gefällt mir gut so, wie Du ihn geschrieben hast. Ich hatte das "wieder" zuerst auch drin, dann wegen der Widerholung durch das etwas steife "erneut" ersetzt. "Unsere" Ufer gefällt mir auch gut. Es meint etwas anderes, ist aber auch eine schöne Idee, vielleicht das schönere Bild.
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juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1151
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #4 vom 14.11.2017, 01:49  Titel:   

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Nomadenlied

Sommer, sonngedörrt, karges Land
Augustmond - Schakalgesang.
Zusammen sind wir ein Schwarm,
Die Zeit wird uns streuen.

Manchmal sind wir Forellen
Queren Stromschnellen,
Schwimmen
Durch Überwasserland.

Dann krabbeln wir wieder
An unsere Ufer, ein jeder
Für sich


Ich lese das so. Aber du hast es geschrieben.

>> Mal wieder mehr Lyrik lesen wäre vermutlich nicht schlecht
Das glaube ich nicht. Da lässt sich wenig nachholen oder verbessern. Der Zeitpunkt des Schreibens ist ein Status Quo, der sich nicht verbessern lässt. Der Zeitpunkt enthält alles, was Sie (du) jemals erlebt, gesehen, gefühlt oder reflektiert hast. Dieser Zeitpunkt ist unumkehrbar, nicht relativierbar, unkritisierbar und eigentlich für niemanden nachvollziehbar, nicht einmal für dich, wenn du es später liest.
In dem Moment, wo du es nachliest, ist der Text Geschichte, und so auch dein poetisches Wirken. Der Text "gehört" nicht mehr dir, wenn er "fuktioniert". Er ist Poesie. Poesie gehört allen, die sie wahrnehmen können. Es ist unmöglich, Poesie zu kritisieren, ohne Leser zu kritisieren oder diese zu bevormunden. Poesie ist rein, konkret oder abstrakt. Poesie lügt nicht. Poesie ist Physik mit Wörtern und Bedeutungen. Trotzdem ist Poesie keine Wissenschaft, die man einfach so erlernen könnte. Poesie ist ein Kreuzweg, den man gehen muss oder gehen möchte.

Meine Version, meine Lesart, ist nicht ganz so schlecht. Schreib 1000 Gedicht dieser Art oder ähnliche, und du wirst eine bedeutende Dichterin. Für mich bist/warst du ohnedies immer mindestens Sappho von Mytilene ... Smile
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Namazu

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Beiträge: 118
BeitragBeitrag #5 vom 15.11.2017, 22:53  Titel:   

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Hm, ich weiss nicht, ob ich da mit dem unkritisierbar wirklich zustimmen kann. In dem Moment, in dem ich irgendwas öffentlich mache, muss ich damit leben, dass es jemand anderer platt, abgedroschen oder holprig findet, auch wenn es vielleicht einen ganz bestimmten, unrelativierbaren Moment spiegelt.

Aber verstehe ich richtig, dass Du meinst, an der Form arbeiten könne man letztlich nur durchs schreiben? Das erschiene mir logisch, ja.

Eine bedeutende Dichertin will ich nicht sein. Ich will mich nur zerstreuen, "meinem menschlichen Urinstinkt folgen", wie Du so schön geschrieben hast, wenn ich meine Gedanken ordne und wieder einen spielerischeren Zugang zur Sprache finden, mehr nicht.

Unterschätz mal Sappho nicht.
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juergen h.

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Beiträge: 1151
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BeitragBeitrag #6 vom 15.11.2017, 23:36  Titel:   

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>> Aber verstehe ich richtig, dass Du meinst, an der Form arbeiten könne man letztlich nur durchs schreiben? Das erschiene mir logisch, ja.

Das meinte ich. Üben, üben, üben. Etwas schreiben und es altbacken verschimmelt werden lassen und dann überschreiben. Interessant ist nicht, wie viele Versuche man benötigt, um die Glühlampe zu erfinden. Interessanter ist - das Licht. Wenn dich die bekannten Formen langweilen beim Nachmachen, dann erfinde eine Neue für dich. Die sollte dann nicht schlechter oder nachlässiger sein, als das was man als "Leser" kennt und schätzt. Es ist ein Kampf gegen den inneren Schweinehund, der einem einflüstert: das genügt. Es genügt niemals. Ich halte das für die treibende Kraft in der Lyrik. Eigentlich ist es vergeblich, heutzutage Lyriker oder Dichter zu werden. Keine Macht des Universums kann einen Dichter im 21. Jahrhundert besser machen als die Klassiker des 20. Jahrhunderts. Deshalb wurde der Popsong erfunden, der alles wieder mit unfairen Mitteln gutmachen will.
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Namazu

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BeitragBeitrag #7 vom 15.11.2017, 23:53  Titel:   

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Gut, dann habe ich richtig verstanden und was Du schreibst, würde ich so auch unterschreiben. Neben all dem Formalen brauchts halt auch Ideen, die dazu reizen, ihnen nachzufühlen, interessante Perspektiven, die man erst mal finden muss. Vermutlich ist aber auch das zumindest zum Teil eine Frage der Übung, dem Lenken des Blickes, wie beim Fotografieren oder Malen. Zur Zeit macht es mir Spaß, mich wieder mehr mit Sprache zu beschäftigen, aber ich gebe zu, phasenweise habe ich mich auch gerne ganz auf passive Berieselung beschränkt.

Mit popsongs kenne ich mich nicht gut aus. Warum werten -i es ist ein anderes Medium. Ich würde behaupten, dass Lyrik und Musik durchaus gut kombinierbar sind. H. F. Thiéfaine etwa funktioniert für mich wunderbar. Oder Peter Licht Zwinker Es ließen sich noch viele andere Beispiele finden.
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Namazu

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BeitragBeitrag #8 vom 30.07.2019, 22:13  Titel:   

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#2

Nomadenlied

Sommer, verdorrte, karges Land
goldene Monde, Schakalsgesang.

Fremde in der Fremde
wir wurden zum Schwarm
durchzogen als Sandfische
den Wüstensand.

Dann suchen wir wieder
unsere Ufer, ein jeder
für sich -

in irgeneinem
regnerischen Land.
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