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Gedichteforum -> Begegnungen
Grisha

Anmeldedatum: 27.04.2021
Beiträge: 1
BeitragBeitrag #1 vom 27.04.2021, 22:19  Titel: Spaziergang  

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Spaziergang

Einst dachte ich, ich hätte Zeit
Zu träumen, wohin mich die Zukunft treibt
Eine Weile in den Himmel aufzusehen
Und zu versuchen, die Sterne zu verstehen
Doch mit dem Blick im unendlichen Blau
Wurde ich unbemerkt zur Frau
Und als ich zurück auf den Weg vor mir sah
War das Ende bereits nah

So wich mein Blick nun nicht mehr vom Boden
Sah nicht die blühenden Rosen
Bemerkte nur die eigene Schwäche
Doch nicht die erfrischenden Bäche
Den stützenden Stab und die helfende Hand
Die leise dort ruhten am Wegesrand
Und als ich abermals nach vorne sah
War das Ende bereits da
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Nestor Carigno

Anmeldedatum: 03.10.2009
Beiträge: 994
BeitragBeitrag #2 vom 02.05.2021, 15:22  Titel:   

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juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1252
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #3 vom 05.05.2021, 01:55  Titel:   

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Chidher

Chidher, der ewig junge, sprach:
Ich fuhr an einer Stadt vorbei,
Ein Mann im Garten Früchte brach;
Ich fragte, seit wann die Stadt hier sei?
Er sprach, und pflückte die Früchte fort:
Die Stadt steht ewig an diesem Ort,
Und wird so stehen ewig fort.
Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren.

Da fand ich keine Spur der Stadt;
Ein einsamer Schäfer blies die Schalmei,
Die Herde weidete Laub und Blatt;
Ich fragte: wie lang ist die Stadt vorbei?
Er sprach, und blies auf dem Rohre fort:
Das eine wächst, wenn das andre dorrt;
Das ist mein ewiger Weideort.
Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren.

Da fand ich ein Meer, das Wellen schlug,
Ein Schiffer warf die Netze frei,
Und als er ruhte vom schweren Zug,
Fragt ich, seit wann das Meer hier sei?
Er sprach, und lachte meinem Wort:
Solang als schäumen die Wellen dort,
Fischt man und fischt man in diesem Port.
Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren.

Da fand ich einen waldigen Raum,
Und einen Mann in der Siedelei,
Er fällte mit der Axt den Baum;
Ich fragte, wie alt der Wald hier sei?
Er sprach: der Wald ist ein ewiger Hort;
Schon ewig wohn ich an diesem Ort,
Und ewig wachsen die Bäum hier fort.
Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren.

Da fand ich eine Stadt, und laut
Erschallte der Markt vom Volksgeschrei.
Ich fragte: seit wann ist die Stadt erbaut?
Wohin ist Wald und Meer und Schalmei?
Sie schrien, und hörten nicht mein Wort:
So ging es ewig an diesem Ort,
Und wird so gehen ewig fort.
Und aber nach fünfhundert Jahren
Will ich desselbigen Weges fahren.


(Friedrich Rückert)
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